.

Taubblindheit / Hörsehbehinderung

 

Als taubblind oder hörsehbehindert bezeichnet man eine Person, deren Hörfähigkeit und Sehsinn gleichzeitig stark eingeschränkt sind. Die doppelte Sinnesbehinderung führt zu einem spezifischen Unterstützungsbedarf. Taubblinde und hörsehbehinderte Menschen sind vor allem in den Bereichen Informationsbeschaffung und Kommunikation sowie Mobilität auf Hilfe angewiesen, um am Leben in der Gesellschaft teilhaben zu können.

 

Der Unterstützungsbedarf variiert stark und ist unter anderem abhängig vom Zeitpunkt des Eintretens der Sinneseinschränkungen. Wann und in welcher Reihenfolge es zum Wegfall bzw. zu Einschränkungen des Hör- und Sehsinnes kommt, beeinflusst unter anderem die Kommunikationsmöglichkeiten der Betroffenen entscheidend (siehe: „Kommunikationsformen“).

 

Taubblinde und hörsehbehinderte Menschen brauchen für die Erfassung ihrer Umwelt und die Bewältigung ihres Alltages viel Konzentration und Geduld. Bei Anerkennung ihrer besonderen Situation und der entsprechenden Unterstützung können taubblinde und hörsehbehinderte Menschen weitgehend selbstbestimmt und aktiv leben. Wichtig sind hierbei folgende Punkte:

 

  • Diagnose / medizinische Versorgung
  • Beratungsangebote für Betroffene und Angehörige
  • Selbsthilfe-Angebote
  • Begleitung / Assistenz (siehe: „Taubblindenassistenz“)
  • Spezifische Hilfsmittel
  • Rehabilitationsangebote
  • Geeignete Wohnformen
  • Barrierefreiheit
  • Geeignete Beschäftigung / Arbeit
  • Geeignete Freizeit- und Bildungsangebote
  • Finanzielle Nachteilsausgleiche (siehe „Merkzeichen / Nachteilsausgleiche“)

 

Ursachen für Taubblindheit und Hörsehbehinderung

 

Man unterscheidet grob in drei Kategorien von Taubblindheit (TBL) / Hörsehbehinderung (HSB):

  • Angeborene TBL / HSB (auch: „kongenital“, „geburtstaubblind“)
  • Erworbene TBL / HSB
  • Altersbedingte TBL / HSB

 

  • Angeborene TBL / HSB

 

Ursachen für angeborene TBL/HSB sind zum Beispiel Frühgeburten bzw. Komplikationen in der Schwangerschaft oder seltene genetische Defekte, wie etwa das Charge-Syndrom. Oftmals liegen bei Betroffenen neben der doppelten Sinnesbehinderung weitere Behinderungen vor, welche die körperliche und geistige Entwicklung betreffen. Die früher häufig auftretende Ursache Rötelnembryopathie spielt aufgrund des hohen Impfdurchsatzes hingegen kaum noch eine Rolle. Fälle von TBL /HSB, die vor dem Spracherwerb eintreten, werden der angeborenen HSB /TBL zugeordnet.

 

  • Erworbene TBL / HSB

 

Die Gruppe von Menschen mit erworbener TBL / HSB umfasst Betroffene, die gehörlos oder mit Einschränkungen des Hörsinnes zur Welt kommen und später erblinden bzw. eine Sehschädigung erwerben ebenso wie Menschen die sehbehindert bzw. blind geboren werden und später ertauben bzw. eine Hörschädigung erleiden. Zudem Menschen, die ohne nennenswerte Einschränkung der beiden Fernsinne zur Welt kommen, und später Einschränkungen und/oder Verlust von Hör- und Sehsinn erfahren.

Ursachen für erworbene TBL / HSB sind genetische Vererbung, Unfälle und Krankheiten wie etwa Meningitis oder Encephalitis.

 

Usher Syndrom

 

Häufigster Grund für erworbene HSB / TBL ist das Usher Syndrom, welches autosomal-rezessiv vererbt wird. Definiert wird es durch Innenohrschwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit von Geburt an und eine später einsetzende Seheinschränkung durch Netzhautdegeneration. Letztere ist verursacht durch Retinopathia Pigmentosa (RP), die auch isoliert, das heißt unabhängig von einem Syndrom, auftritt. RP verursacht ein zunehmend eingeschränktes Sichtfeld und eine beeinträchtigte visuelle Schärfe und kann bis zur Erblindung führen. Man unterscheidet beim Usher-Syndrom drei Typen, wobei Typ III in Deutschland bisher nur in Einzelfällen aufgetreten ist.

 

  • Typ I: angeborene Taubheit bzw. hochgradige Schwerhörigkeit, oft begleitet von Gleichgewichtsstörungen. Im Kindesalter beginnen die Anzeichen der Retinopathia Pigmentosa.

 

  • Typ II: zu einer unterschiedlich ausgeprägten Schwerhörigkeit kommt eine Retinopathia Pigmentosa, die in der Regel im frühen Erwachsenenalter beginnt. Der Hörverlauf ist überwiegend stabil, Hörgeräte können effektiv eingesetzt werden.

 

Weitere Informationen zum Usher-Syndrom finden Sie in der gleichnamigen Broschüre (Siehe: Informationsmaterial)

 

 

  • Altersbedingte Taubblindheit / Hörsehbehinderung

 

Die Fälle von altersbedingter TBL /HSB nehmen aufgrund steigender Lebenserwartung stetig zu. Im Alter verschlechtern sich Seh- und Hörfähigkeit in der Regel. Bluthochdruck oder Diabetes können Ursachen für Seheinschränkungen sein. Sehr weit verbreitet ist die Altersbedingte Makula-Degeneration. Treffen solche Einschränkungen des Sehvermögens auf bereits bestehende oder im Alter (zusätzlich) auftretende Einschränkungen des Hörvermögens, entstehen besondere Probleme für Betroffene. Zudem sind bei älteren Menschen oft auch Beweglichkeit oder Tastsinn eingeschränkt, was im Zusammenhang mit einer doppelten Sinnesbehinderung besonders relevant ist. Neue Kommunikationsformen können schwer erlernt werden. Ursachen für Frustration, Rückzug und Isolation werden von der Umwelt oft nicht richtig interpretiert. Alten- und Pflegeeinrichtungen sind oft nicht ausreichend mit der spezifischen Situation der Betroffenen vertraut, alternative Kommunikationsformen meist unbekannt. Die Dunkelziffer von älteren Menschen mit Problemen durch doppelte Sinnesbeeinträchtigung dürfte erheblich sein.



Schriftgröße:

Designauswahl

Designauswahl

Link zum Facebook Auftritt

 

Logo Selbsthilfe LAG Bayern                                                                                                                 Bezirketag

Logo Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen

Access-Keypad

Alt+0
Startseite.
Alt+3
Vorherige Seite.
Alt+6
Sitemap.
Alt+7
Suchfunktion.
Alt+8
Direkt zum Inhalt.
Alt+9
Kontaktseite.
(nur möglich mit Internet Explorer - und nach Auswahl mit Enter bestätigen)

Login

Login




Registrierung.
.
Passwort vergessen?
.